Worauf soll ich bei der Wahl einer Kinderbibel achten?

Qualitätskriterien für Kinderbibeln

Kinder lieben es, wenn sich Erwachsene Zeit nehmen und ihnen biblische Geschichten erzählen oder vorlesen. Doch wie findet man eine passende Kinderbibel, die eine kindgerechte Auswahl an Bibelgeschichten bietet und in denen sich Kinder mit ihren eigenen Bedürfnissen und Fragen entdecken können?

Es gibt heute viele verschiedene Kinderbibeln auf dem Buchmarkt. Es ist gut, wenn Kinder unterschiedliche Kinderbibeln kennenlernen und Bilder und Texte miteinander vergleichen können. Auf diese Weise erfahren sie, dass es verschiedene Zugänge zu den biblischen Erzählungen und Texten gibt, und dass es spannend ist, die Bibel immer wieder neu zu lesen und zu verstehen.

Die biblischen Originaltexte entstanden vor ca. 2000 Jahren und mehr. Gute Kinderbibeln bilden eine Brücke zwischen heute und damals. Sie helfen Kindern (und Erwachsenen), die Botschaft der Bibel von Glaube, Liebe und Hoffnung mit ihrem Leben und Alltag in Verbindung zu bringen.

Hier gibts Hinweise, die dich bei der Auswahl einer beeigneten Kinderbibel unterstützen können.

Für wen und wozu ist die Kinderbibel gedacht?

  • Wie alt ist das Kind? Welche Fähigkeiten im Umgang mit Büchern bringt es mit?
  • Wie soll die Kinderbibel verwendet werden? Möchtest du anhand der Illustrationen selbst die Geschichten erzählen? Oder suchst du ausführlich erzählte Geschichten zum Vorlesen? Oder soll das Kind die Kinderbibel alleine anschauen und lesen können?

Qualitätskriterien 

  • Gute Kinderbibeln ermöglichen Kindern einen ihrem Alter gemässen, pädagogisch und theologisch verantworteten Zugang zur Bibel. Im Vor- oder Nachwort wird begründet, nach welchen Kriterien die Kinderbibel erarbeitet wurde.
  • Gute Kinderbibeln überzeugen durch ihre ästhetische Aufmachung. 
  • Gute Kinderbibeln wählen biblische Geschichten und Texte nach theologischen und entwicklungspsychologischen Kriterien aus. Sie haben ein aussagekräftiges Inhaltsverzeichnis und verweisen auf die biblischen Originaltexte.
  • Gute Kinderbibeln geben (Vor-)Lese- und Verständnishilfen im Text, in Randspalten oder im Anhang. Sie tragen dazu bei, die Geschichten altersgemäss zu vermitteln und mit dem Alltag der Kinder zu verknüpfen.

Auswahl der biblischen Geschichten und Texte 

  • Sind Geschichten von Männern, Frauen und Kindern sowie Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament in angemessener Weise berücksichtigt?
  • Kleine Kinder sollten ihre erste Kinderbibel selbst in der Hand halten können. Daher umfassen erste Kinderbibeln eine überschaubare Auswahl von Erzählungen aus dem Alten und Neuen Testament. Sie sollen Kinder an die Erfahrungen, die Menschen der Bibel mit Gott bemacht haben, heranführen. Bibeln zum Vorlesen sollten grossformatige Bilder zum Zeigen und Entdecken enthalten.
  • Ältere Kinder und Jugendliche sollten das breite Spektrum biblischer Textgattungen kennenlernen können, die die Bibel als in über tausend Jahren gewachsene Bibliothek mit ihren vielfältigen Glaubenszeugnissen Israels und der Kirche in sich birgt. Die Textauswahl entscheidet wesentlich darüber, welches Gottes-, Jesus-, Menschen- und Weltbild die Kinderbibel vermittelt. Das bedeutet: Zusammenhängende Erzählungen, poetische und prophetische Texte, Abschnitte aus allen vier Evangelien und Briefabschnitte aus den neutestamentlichen Briefen gehören zu einer empfehlenswerten Kinderbibel für grössere Kinder.  

Wie wird erzählt? 

  • Ist die Sprache für die Altersgruppe verständlich? Sind die Sätze angemessen lang?
  • Übersetzt oder erläutert der Autor / die Autorin wichtige Begriffe in theologisch und pädagogisch verantwortlicher Weise?
  • Wie spricht der Erzähler / die Erzählerin von Gott und von Jesus?
  • Folgt die Kinderbibel einem an Überschriften erkennbaren biblisch-theologischen Leitmotiv oder verspricht sie pauschalisierend «schöne», «abenteuerliche», «spannende» Geschichten?
  • Bleiben die Texte nah an der biblischen Vorlage oder folgen sie einem freien Erzählkonzept?
  • Kinderbibeln sind auch Kinderbücher: für kleinere Kinder erzählen sie mit kurzen, elementaren Sätzen, mit direkter Rede und im Präsens; für Erstleser bieten sie einen einfachen Text in großer Schrift mit klar strukturierten Sinneinheiten; ältere Kinder finden längere und anspruchsvollere Erzählungen und Texte aus unterschiedlichen Gattungen. 

Gottes- und Jesusdarstellungen

  • Gute Kinderbibeln bringen die Vielfalt menschlicher Erfahrungen mit Gott zur Sprache. Dies können dunkle Erfahrungen von Unrecht, Leid und Tod sein, aber auch solche, die Hoffnung und Freude ausstrahlen. Das Gottesbild ist vielfältig.
  • Gute Kinderbibeln nehmen Kinder in das Fragen der Menschen nach Gott hinein. Problematisch sind allwissende Erzähler, die genau schildern, was Gott denkt, fühlt und vorhat.
  • Welches Bild von Jesus zeichnet die Kinderbibel? Jesus war Jude und lebte als Mensch unter Menschen. Er war ein Wanderprediger und Rabbi, der mit den jüdischen Gelehrten seiner Zeit diskutierte und die Thora auslegte. Die Pharisäer und Schriftgelehrten waren seine Gesprächspartner, nicht seine Gegner. 

Illustrationen und Bilder

  • Bilder und Illustrationen in Kinderbibeln wirken oft stärker und länger als die Texte. Sie können die Vorstellung von Gott und Jesus, Engeln und Menschen und das Weltbild nachhaltig beeinflussen. Illustrationen erzählen oder interpretieren selbst oder zeigen als Sachzeichnungen und Fotos, wie Menschen in biblischer Zeit lebten.
  • Was zeigen die Illustrationen? Wie stellen sie biblischen Szenen dar? Stellen sie die Geschichten verniedlichend oder historisierend dar? Oder sind sie ausdrucksstark und vieldeutig? Gute Bilder sind theologisch und künstlerisch begründet und regen die Phantasie und Vorstellungskraft an.
  • Das stilistische Spektrum der Kinderbibelillustrationen reicht von naiv-realistisch über ikonenhaft-stilisiert bis zu expressiv und farblich ausdrucksstark. Auch Bilder aus der Kunst finden Verwendung und laden ein zu meditativer Betrachtung oder zur vertieften Auseinandersetzung. 
  • Erfüllen die Bilder ästhetische Ansprüche? Fördern die Illustrationen das Nachdenken über den Text? Eröffnen sie mit Symbolen oder Aktualisierungen einen Zugang zur biblischen Botschaft?
  • Ein besonderes Augenmerk gilt der Jesusdarstellung. Betont der Künstler / die Künstlerin, dass Jesus von Gott kommt und beispielsweise durch ein helles Gewand abgehoben von seinem Umfeld erscheint? Oder heben die Bilder hervor, dass Jesus als Mensch unter Menschen gelebt hat? Wichtig wäre, dass Jesus, seine Jünger und die ersten Christinnen und Christen als Juden dargestellt, beispielsweise dass sie bei Szenen im Tempel einen Gebetsmantel tragen.
  • Bilder, die brutale Gewalt darstellen, sind problematisch. Ebenso Szenen, die übermässig dramatisieren oder suggerieren: Alles, was in der Bibel steht, ist genau so geschehen. Solche Darstellungen verstellen den Blick auf die Tiefendimension und symbolische Kraft der biblischen Geschichten. 

Nach: Evangelisches Literaturportal e.V. (Hg.). Empfehlenswerte Kinderbibeln. Göttingen 2018. ISBN 978-3-9817-2534-6


Herausgebende Kirchen

Reformierte Kirche Kanton Zürich
Hirschengraben 50
8001 Zürich
www.zhref.ch

Katholische Kirche im Kanton Zürich
Hirschengraben 66
8001 Zürich
www.zhkath.ch

Reformierte Kirchen Bern-Jura-Solothurn
Altenbergstrasse 66
3000 Bern 22
www.refbejuso.ch

Römisch-katholische Landeskirche des Kantons Bern
Zähringerstrasse 25
3012 Bern
www.kathbern.ch

Kooperationspartner

Römisch-Katholische Kirche im Aargau
Feerstrasse 8
5001 Aarau
www.kathaargau.ch

Evangelisch-reformierte Landeskirche Graubünden
Loëstrasse 60
7000 Chur
www.gr-ref.ch

Evangelisch-reformierte Kantonalkirche Schaffhausen
Pfrundhausgasse 3
8200 Schaffhausen
www.ref-sh.ch

Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St.Gallen
Oberer Graben 31
9000 St.Gallen
www.ref-sg.ch

Römisch-katholische Landeskirche des Kantons Luzern
Abendweg 1, Postfach
6000 Luzern 6
www.lukath.ch

Verband Kind und Kirche
Chileweg 1
8415 Berg am Irchel
www.kindundkirche.ch

Bistum Basel
Baselstrasse 58, Postfach
4502 Solothurn
www.bistum-basel.ch